{"id":7704,"date":"2021-01-07T23:33:37","date_gmt":"2021-01-07T21:33:37","guid":{"rendered":"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/?p=7704"},"modified":"2021-01-07T23:35:08","modified_gmt":"2021-01-07T21:35:08","slug":"marionetten-oder-puppenspieler-rueckblick-auf-die-lernferien-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/?p=7704","title":{"rendered":"Marionetten oder Puppenspieler? &#8211; R\u00fcckblick auf die LernFerien 2020"},"content":{"rendered":"<p><i>In der zweiten\u00a0Herbstferienwoche fanden wie in jedem Jahr die &#8222;LernFerien NRW &#8211; Begabungen f\u00f6rdern&#8220; f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Sekundarstufe II in Bochum statt. In einer durch die Corona-Pandemie bedingten recht\u00a0au\u00dfergew\u00f6hnlichen Form trafen elf wissbegierige TeilnehmerInnen aus ganz NRW aufeinander, um sich \u00fcber das durchaus vielseitige Leitthema &#8222;Manipulation&#8220; auszutauschen.\u00a0Auch das Gymnasium\u00a0Odenkirchen war wieder vertreten:<\/i><!--more--><\/p>\n<p>Egal ob Politikerreden, Duftaromen in Gesch\u00e4ften, Statistiken, die uns hier und da begegnen, oder auch schon im ganz normalen Schulunterricht: <b>\u00dcberall in unserem Alltag werden wir beeinflusst<\/b>, sei es durch soziale Medien, unsere Familie, Freunde, Religionen, Ideologien, die Werbung, Wirtschaft, unsere Gene, ja, vielleicht sogar durch uns selbst. Aber gibt es dann noch einen Bereich, in dem wir nicht beeinflusst werden? Einen Raum, der ganz und gar uns geh\u00f6rt? Und was hat es eigentlich mit diesem doch ziemlich volumin\u00f6sen Begriff &#8222;<strong>Manipulation<\/strong>&#8220; auf sich?<\/p>\n<p>In der Schule bleibt f\u00fcr derartige Fragen leider selten Zeit, sodass sich die <strong>Ferien<\/strong> f\u00fcr philosophische Um- und Wanderwege geradezu anbieten. Und wie ginge das besser, als mit <strong>Gleichaltrigen<\/strong> und <strong>Experten aller Fachrichtungen<\/strong> ins Gespr\u00e4ch zu kommen? Dieses Ziel verfolgten auch die <strong>LernFerien im Herbst 2020 in Bochum<\/strong>, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit unstillbarem Wissensdurst f\u00fcr die unterschiedlichsten Fragen und Gedanken zu einem Leitthema wie &#8222;Manipulation&#8220; offenstehen. Zugegeben, es klingt schon verr\u00fcckt, in den Ferien lernen zu wollen, oder um es mit den Worten einer Mitsch\u00fclerin auszudr\u00fccken: &#8222;Haha, Lernferien mache ich auch &#8211; also Ferien vom Lernen.&#8220;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7709 alignright\" src=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-169x300.jpg 169w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-576x1024.jpg 576w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-768x1365.jpg 768w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-864x1536.jpg 864w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-1152x2048.jpg 1152w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-450x800.jpg 450w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-V-scaled.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/p>\n<p>Aber obgleich es so skurril scheint, dass einigen von uns der chaotische Schulalltag samt Klausur- und Hausaufgabenstress noch nicht gen\u00fcgt, stelle ich r\u00fcckblickend doch fest, dass ich nicht die einzige war, die sich am <strong>Montag<\/strong>, 19. Oktober 2020, in aller Herrgottsfr\u00fche zum <strong>Bahnhof<\/strong> schleppte. Ehrlich, was hatte ich mir nur dabei gedacht? Jeden Tag zwischen dem s\u00fcdlichsten Zipfel M\u00f6nchengladbachs und der Bochumer Innenstadt hin- und herzupendeln, w\u00e4hrend ich auch h\u00e4tte ausschlafen k\u00f6nnen, und das nur f\u00fcr irgendeinen Begriff? Nein, eben nicht nur f\u00fcr &#8222;irgendeinen&#8220; Begriff, wie mir bereits am ersten Tag schnell klar wurde (und wie Sie vielleicht bemerkt haben, war mir das schon klar, w\u00e4hrend ich die obige rhetorische Frage stellte &#8211; Manipulation ist \u00fcberall!). Um halb zehn in der <strong>Jugendherberge<\/strong> angekommen, eine gute halbe Stunde zu fr\u00fch, begr\u00fc\u00dften mich <strong>Lina und Malte, unsere Betreuer<\/strong> f\u00fcr die anstehenden f\u00fcnf Tage, nach einer chaotischen Reise \u00fcber s\u00e4mtliche Bahnh\u00f6fe, die das Ruhrgebiet zu bieten hat, f\u00fcr zwei Lehrer im Ferienmodus \u00fcberraschend herzlich und offen &#8211; ein Ablauf, der sich in den folgenden Tagen wiederholen sollte. Auch die <strong>Anwesenheitsliste, Desinfektionsmittel, Abstandsregeln und Mund-Nasen-Masken au\u00dferhalb des festen Sitzplatzes<\/strong> geh\u00f6rten von Anfang an zur Routine &#8211; aber wie sollte es derzeit auch anders gehen, wenn Menschen aus s\u00e4mtlichen Ecken von NRW zusammenkommen? Nur der <strong>\u00f6ffentliche Nahverkehr<\/strong> wollte sich partout nicht auf den Wochenplan einlassen, sorgte er doch immer wieder aufs Neue f\u00fcr die verr\u00fccktesten Ankunftszeiten und machte damit jede Zeitplanung zunichte. Aber was w\u00e4re das Leben ohne \u00dcberraschungen und gestrandete Teilnehmer in Wanne-Eickel?<\/p>\n<p>Endlich versammelt, fing die Meute dann am sp\u00e4ten Vormittag nach einer kleinen <strong>Kennenlernrunde<\/strong> mit einem ersten <strong>Brainstorming<\/strong> an. Werden wir durch unsere Gene beeinflusst? Ist Manipulation mit Beeinflussung gleichzusetzen? Was ist eigentlich objektiv? Bereits nach wenigen Minuten verloren wir uns schon in interessanten <strong>Diskussionen und Debatten<\/strong>, die den Zeitplansprengungen des \u00d6PNV garantiert h\u00e4tten Konkurrenz machen k\u00f6nnen. Aber so theoretisch sind die LernFerien nun auch wieder nicht, und so \u00fcbten sich die angehenden Philosophen am Nachmittag in fulminant-wunderlichen <strong>Escape-Rooms<\/strong>, die nicht nur das zeitliche Chaos perfekt machten. Eine Suche nach den Triaden, mehrere Alarmanlagen, gewisse Gefahren durch die chinesische Mafia und eine wilde Verschw\u00f6rung einer Terrorgruppe sp\u00e4ter war der erste Tag dann ziemlich schnell vor\u00fcber. Wer sollte uns jetzt noch um den Finger wickeln?<\/p>\n<p>Das fragten wir uns tats\u00e4chlich, als uns <strong>Marcel Beyer<\/strong> (Universit\u00e4t Bielefeld) am <strong>Dienstag<\/strong> die <strong>Manipulation als gesellschaftliches Ph\u00e4nomen n\u00e4herzubringen<\/strong> suchte. W\u00e4hrend &#8222;Framing&#8220; einigen von uns dank des Unterrichts engagierter Deutschlehrerpers\u00f6nlichkeiten bereits als Ph\u00e4nomen vertraut war, schienen pers\u00f6nliche, onthologische und Meta-Narrative, metaphorisches Mapping, Hypokognition und Containerbegriffe zun\u00e4chst Neuland zu sein, konnten aber nach wenigen Beispielen bereits erfolgreich auf die ersten Alltagsph\u00e4nomene angewendet werden. Egal ob US-Wahlkampf, Klimawandel oder American Dream: \u00dcberall fanden und finden sich Beispiele daf\u00fcr, wie Menschen in bestimmte Richtungen gelenkt werden.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Ich kann nicht nicht framen.&#8220; (Marcel Beyer)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7708 alignleft\" src=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-249x300.png\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-249x300.png 249w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-850x1024.png 850w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-768x926.png 768w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-1274x1536.png 1274w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-1699x2048.png 1699w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22-450x542.png 450w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-08-um-18.16.22.png 1996w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/>Wie wirkungsvoll diese &#8222;Richtungsweiser&#8220; sind, wurde uns aber erst durch ein <strong>Selbstexperiment<\/strong> am Beispiel des Framings bewusst: Bei Frames handelt es sich um sprachliche Deutungsrahmen. Dabei sind die Aussagen an sich nicht zwingend falsch, haben aber eine verf\u00e4lschende oder zumindest beeinflussende Wirkung. Dieses Prinzip der Sprachwissenschaft machten wir uns mittels eines <strong>Fragebogens<\/strong> zunutze &#8211; oder vielmehr drei Frageb\u00f6gen, die fast identisch aufgebaut waren. Fast. Zwar waren in allen Versionen der Aufbau, die Fragen und Texte v\u00f6llig identisch, jedoch formulierten wir das Thema &#8222;Computerspiele als olympische Disziplin&#8220; (Kontrollgruppe), das wir nach eingehender Diskussion w\u00e4hlten, ohne dass es direkt etwas mit Manipulation zu tun h\u00e4tte, jeweils ein wenig um, n\u00e4mlich in &#8222;Zocken als olympische Disziplin&#8220; (negatives Framing) einerseits und &#8222;E-Sport als olympische Disziplin&#8220; (positives Framing) andererseits. Da alle drei Begriffe jeweils innerhalb des Fragebogens gleich definiert wurden, sollte man rein objektiv betrachtet bei einer \u00e4hnlichen Zielgruppe und \u00e4hnlich vielen Befragten zu dem Schluss kommen, dass die Antworten bei allen Fragebogenversionen \u00e4hnlich ausfallen sollten. Gesagt, getan: Komplett <strong>digital<\/strong> und damit in jeder Hinsicht Corona-konform schickten wir unsere Frageb\u00f6gen an Freunde, Klassenkameraden und entfernte Verwandte und erreichten dabei sogar teilweise Spreader-Qualit\u00e4ten, obgleich der Begriff in diesen Zeiten mit Vorsicht zu genie\u00dfen ist. Das Ergebnis: Unser <strong>Framing-Versuch wirkte<\/strong>, auch wenn wir ein paar Schwachstellen erkannten, ebenso wurde uns aber auch bewusst: <strong>Bildung und Wissen sind nicht zu untersch\u00e4tzende Gegenspieler der Manipulation<\/strong>. Welches sch\u00f6nere Fazit lie\u00dfe sich auf der Website einer Schule ver\u00f6ffentlichen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt sich Manipulation nicht nur in der Sprache ab, sondern auch in Bereichen, die auf den ersten Blick sehr neutral, man m\u00f6chte fast sagen vertrauensw\u00fcrdig wirken. Und so verwundert es bei n\u00e4herer Betrachtung nicht, dass <strong>Professor Dr. Gerd Bosbach<\/strong> (bis 2019 Professor an der Hochschule Koblenz) seinen Vortrag am <strong>Mittwochmorgen<\/strong> <strong>&#8222;L\u00fcgen mit Zahlen&#8220;<\/strong> nannte. Egal ob Verweise von Politikern, Daten von Interessenverb\u00e4nden oder Statistiken von Stiftungen: Als ehemaliger Mitarbeiter des statistischen Bundesamts kannte sich Herr Bosbach bestens in der <strong>Welt der Zahlen und Zahlentrickser<\/strong> aus und beeindruckte so nicht nur die Mathematiker unter uns merklich. Dass eine zahn\u00e4rztliche Vereinigung durch ein und dieselbe <strong>Statistik<\/strong> bei der einen Versammlung zeigen kann, wie schlecht es der Branche doch gehe, und kurze Zeit sp\u00e4ter bei der anderen, wie erfolgreich sie doch sei, schien auf einmal gar nicht mehr so absurd, wie es zun\u00e4chst klingen mag. Durch Plausibilit\u00e4ts\u00fcberlegungen, dem Vergleich absoluter und relativer Zahlen, &#8222;Yang ohne Yin&#8220;, Grafikspielereien und vielen weiteren feinen Tricks kamen wir den Manipulierenden langsam auf die Schliche.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Politiker benutzen die Statistiken wie ein Betrunkener den Laternenpfahl: nicht, um eine Sache zu beleuchten, sondern um sich daran festzuhalten. Denn: Zahlen wirken objektiv.&#8220; (Prof. Dr. Gerd Bosbach)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Doch obwohl wir die Techniken und Motive der Manipulation von und mit Statistiken allm\u00e4hlich zu durchschauen begannen, fragten wir uns gerade bei aktuellen Beispielen, wie sie sich manchmal in den Medien finden, <strong>warum die Statistiktricks trotzdem wirken<\/strong>. &#8222;Statistiken sind ein sehr <strong>intransparentes Feld<\/strong>&#8222;, merkte Herr Bosbach dazu an und lie\u00df gleichzeitig durchblicken, dass mit Zahlen immer ein <strong>Anspruch auf Glaubw\u00fcrdigkeit und Objektivit\u00e4t<\/strong> verbunden sei. Trotzdem sollten diese Erkenntnisse nicht dazu animieren, Statistiken grunds\u00e4tzlich in die &#8222;Fake News&#8220;-Schublade einzuordnen: In Hintergrundberichten, wie sie sich ebenfalls in den Medien finden, werden Statistiken durchaus kritisch beleuchtet und angemessen verwendet. Sie k\u00f6nnen &#8222;sauber&#8220; sein, also nicht unter dem Einfluss bestimmter <strong>Interessen<\/strong> stehen. Au\u00dferdem w\u00e4ren <strong>Zukunftsprognosen<\/strong> und damit fr\u00fchzeitige Planungen ohne sie undenkbar, was wir vermutlich nicht zuletzt an der aktuellen Pandemie-Situation sehen.<\/p>\n<p>Aber auch\u00a0<strong>Bilder<\/strong> spielen zuweilen das Glaubw\u00fcrdigkeit-Spielchen mit uns, scheinen sie doch die <strong>Realit\u00e4t<\/strong> als Momentaufnahmen festzuhalten. Wie gro\u00df dabei die <strong>Spanne zwischen plumpen F\u00e4lschungen und perfiden Bearbeitungstricks<\/strong> ist, zeigte uns am Nachmittag <strong>Jens Kriese<\/strong> in seinem Vortrag zu<strong> digitaler Bildforensik<\/strong> &#8211; Technikpannen bei der Video-Liveschaltung aus Hamburg inklusive. Von Kontrastverst\u00e4rkungen und Bildrauschen bis hin zu inszenierten Fotos gab es viele Beispiele, bei denen wir zun\u00e4chst selbst versuchten, die gef\u00e4lschten Stellen zu erkennen, was bei einem Kanufahrer, der von einem Wal gefressen wird, noch recht einfach schien, bei PCR-Bildgebungen aber mit blo\u00dfem Auge schon nahezu unm\u00f6glich war. Spannend!<\/p>\n<p>Doch was w\u00e4ren auch die spannendsten Fotos ohne den richtigen Bilderrahmen, kurzum: Wie \u00fcberzeugt man eigentlich richtig? Unter dem Titel <strong>&#8222;Die Kunst, zu \u00fcberzeugen&#8220;<\/strong> brachte uns <strong>Julian Neugebauer<\/strong> (WWU M\u00fcnster) am <strong>Donnerstag<\/strong> die Techniken und Tricks der <strong>Rhetorik in der Politik<\/strong> etwas n\u00e4her, vermittelte aber auch Strategien und Hintergrundwissen, das es in sich hatte. Der<strong> interaktive Rahmen<\/strong> des Vortrags schien da genau richtig, und so stellte sich Julian, der uns prompt das &#8222;Du&#8220; anbot, gelassen unseren unz\u00e4hligen Fragen von den alten Griechen bis hin zu den j\u00fcngsten Beispielen aus Politik und Tagesgeschehen. Dabei vermittelte er uns auch die signifikanten Unterschiede zwischen &#8222;\u00dcberreden&#8220; und &#8222;\u00dcberzeugen&#8220;, f\u00fchrte uns in St\u00fctzdiskussionen und Pr\u00e4missenoptimierungen ein, erkl\u00e4rte ad-hominem- und ad-rem-Argumente, zeigte jedoch ebenso die simplen und zugleich und wirklich hinterlistigen Methoden der Rhetorik: Wenn uns jemand sagt, wir sollen nicht an Trump denken, an wen denken wir dann direkt?<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Wenn ich sage, es gibt ein fliegendes Spaghettimonster, dann beweist mir mal, dass es das nicht gibt.&#8220; (Julian Neugebauer \u00fcber Grundsatzdiskussionen)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Viel zu schnell verging die Woche nach meinem Geschmack, und mit ziemlicher Sicherheit war ich nicht die einzige. Aber trotz nicht gerade weniger Bahnversp\u00e4tungen kam der <strong>Freitag<\/strong> schneller als erwartet und gab uns die Gelegenheit, in <strong>selbst gew\u00e4hlten Pr\u00e4sentationsformen<\/strong> auf die Woche zur\u00fcckzublicken. Angefangen bei einem anschaulichen Vortrag zu den biologischen Hintergr\u00fcnden von Assoziationen, die manche von uns m\u00f6glicherweise immer noch vor Orangen zur\u00fcckschrecken lassen, \u00fcber manipulierende Geschichten, bei denen die Erz\u00e4hlperspektive aus kritischem Winkel betrachtet werden musste, bis hin zu einer fulminant-verr\u00fcckten Simulation des US-Wahlkampfs war wirklich alles dabei &#8211; <strong>mannigfaltig<\/strong> wie die TeilnehmerInnen selbst.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Manipulation ist wie ein Spinnennetz: Wenn eine Fliege auf einen Faden trifft, wackelt das ganze Netz.&#8220; (eine Teilnehmerin)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aber bei aller Vielfalt waren es auch die vielen <strong>Gemeinsamkeiten<\/strong> und der <strong>Austausch<\/strong>, die die Woche zumindest f\u00fcr meine Wenigkeit zu etwas Besonderem gemacht haben. Es war die <strong>zutiefst kritische und reflektierende Einstellung der Beteiligten<\/strong>, die ich so geballt auf einem Haufen noch nie erlebt habe. Und das ist es, was die <strong>LernFerien<\/strong> ausmacht; das ist der Grund, warum sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in den Ferien in einem Tagungsraum mit schieferblauem Teppichboden zusammenfinden: Der <strong>intensive Austausch<\/strong> \u00fcber <strong>hochaktuelle Themen<\/strong> auf <strong>Augenh\u00f6he mit Experten und gleichaltrigen Wissensdurstigen<\/strong>, die <strong>Motivation<\/strong>, die Welt, das Unscheinbare, einfach mal mit<strong> anderen Augen<\/strong> zu sehen und sich keine Gedanken dar\u00fcber zu machen, <strong>wohin der philosophische Umweg<\/strong> f\u00fchrt. Denn letztlich nehmen wir alle eine Erfahrung mit nach Hause, die uns so schnell keiner nehmen kann: Wir sind mit unserer Art, Begeisterungsf\u00e4higkeit und Motivation nicht allein. Wir sind nicht nur Marionetten in gro\u00dfen, undurchsichtigen Systemen. Wir sind auch Puppenspieler, jede und jeder f\u00fcr sich, die gemeinsam in der Welt viel bewegen k\u00f6nnen, wenn sie an den gleichen F\u00e4den ziehen. Aber hei\u00dfen diese F\u00e4den wirklich &#8222;Manipulation&#8220;?<\/p>\n<p>Mir jedenfalls bleibt nur ein gro\u00dfes &#8222;<strong>Danke<\/strong>&#8220; an alle Beteiligten zu richten, die diese Woche so <strong>einzigartig<\/strong> gemacht haben. Ich nehme viel mit zum s\u00fcdlichsten Zipfel Gladbachs, auch wenn mir meine Eltern bereits untersagt haben, das Hobby einer anderen Teilnehmerin auch mal auszuprobieren und Schweineinnereien zu sezieren. Vielleicht sind das ja meine n\u00e4chsten Marionetten?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7707 aligncenter\" src=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-300x225.jpg 300w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-768x576.jpg 768w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-1536x1153.jpg 1536w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III-450x338.jpg 450w, https:\/\/gymnasium-odenkirchen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/LernFerien-III.jpg 1599w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der zweiten\u00a0Herbstferienwoche fanden wie in jedem Jahr die &#8222;LernFerien NRW &#8211; Begabungen f\u00f6rdern&#8220; f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Sekundarstufe II in Bochum statt. 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